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Eisenmangel ist weit verbreitet – aber nicht gut verstanden

  • Autorenbild: Dr. Reiner Kraft
    Dr. Reiner Kraft
  • 21. Nov. 2025
  • 11 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 23. Nov. 2025

Eisenmangel ist weit verbreitet, aber nicht gut verstanden

Kürzlich kam eine sehr junge Klientin zu mir – Anfang 20, viele Symptome, ein Immunsystem völlig außerhalb seiner Balance, Hautjucken, Müdigkeit, Energietiefs.


Einer der ersten Laborwerte, die ich gesehen habe, war ein Ferritinwert von 9 ng/ml. Das ist nicht „leicht niedrig“, sondern ein klarer Hinweis auf einen massiven Eisenmangel mit Auswirkungen auf Energie, Mitochondrien, Haut, Immunsystem und Stoffwechsel. Was mich besonders überrascht hat: Sie war zuvor im Krankenhaus, dort wurden ebenfalls Blutwerte bestimmt – aber nur das Serumeisen. Dieser Wert lag (noch) im Normbereich und damit wurde das Thema „Eisenmangel“ offiziell als ausgeschlossen betrachtet. Ferritin, Transferrinsättigung oder andere relevante Marker wurden nicht ergänzt.


Dieses Beispiel zeigt sehr deutlich, wie oft Eisenmangel übersehen wird, gerade bei jungen Frauen – sogar dann, wenn Symptome offensichtlich sind. Genau solche Fälle motivieren mich, diesen Blogpost zu schreiben: damit mehr Menschen verstehen, wie wichtig eine korrekte, vollständige und funktionelle Eisen-Diagnostik ist und wie man eine wirklich optimale Eisenversorgung erreicht.



Warum Eisen die „versteckte Engstelle“ für Energie, Immunfunktion und Zellgesundheit ist


Eisenmangel zählt zu den häufigsten Nährstoffdefiziten weltweit – und auch in Deutschland ist die Versorgung kritisch. Besonders Frauen sind gefährdet. Eine Analyse der Eisenversorgung in Deutschland zeigt, dass menstruierende Frauen häufig leere Eisenspeicher haben, selbst ohne manifeste Anämie [1].


Auch in meiner Praxis zeigt sich: Ein Großteil der Frauen – und zunehmend auch Männer – weist suboptimale Ferritin-, Transferrin- und TSAT-Werte auf. Beschwerden wie Müdigkeit, Leistungseinbruch, Infektanfälligkeit, Brain Fog oder Schlafstörungen sind typische Begleiter eines funktionellen Eisenmangels.


Ein Erwachsener besitzt insgesamt etwa 3–5 g Eisen, das sich auf mehrere Kompartimente verteilt: Rund 60–70 % befinden sich im Hämoglobin der roten Blutkörperchen, etwa 20–30 % sind als Speichereisen (Ferritin/Hämosiderin) vor allem in Leber, Milz und Knochenmark eingelagert, und weniger als 0,1 % zirkulieren als Transport-Eisen an Transferrin gebunden im Blut. Eine zentrale Referenz zur quantitativen Beurteilung des Gesamtkörpereisens ist die Studie von Cook et al. (2003) [5], welche die Eisenmengen im Körper anhand biochemischer Marker präzise ermittelt.


Doch Eisen ist biochemisch komplex – sowohl in der Messung als auch in der physiologischen Bedeutung. Also, fangen wir mal an ...



1. Wie misst man einen Eisenmangel oder die Eisenversorgung zuverlässig?


Laser-Spektroskopie: Blick ins Gewebe

Laser-Spektroskopie (SO/Check) misst Eisen direkt im Gewebe. Damit erkennt man funktionelle Defizite, lange bevor Serumwerte auffällig werden. Ein niedriger Gewebewert bedeutet: Eisen erreicht die Zelle nicht – selbst wenn Laborwerte noch „normal“ erscheinen. Zeigen sich hier niedrige Werte ist eine Labordiagnostik empfohlen. Aber selbst bei einem guten Wert kann immer noch ein Mangel im "Depot" bestehen.


Serumeisen & Vollblut – das „Bargeld“

Serumeisen oder auch Vollblut zeigt nur, was gerade im Umlauf ist: tagesformabhängig, stark schwankend, wenig aussagekräftig.


Es entspricht dem „Bargeld“ – wichtig, aber kein Indikator für die Gesamtversorgung. Aber natürlich auch ein wichtiger Datenpunkt.


Ferritin, Transferrin & Transferrinsättigung – das „Sparkonto“


Ferritin


Ferritin misst den Speicherstatus. Aber was ist das eigentlich?


Ferritin ist ein Protein, das als wichtigster Eisenspeicher im menschlichen Körper dient. Es wirkt wie ein kleiner Tresor, der Eisen sicher aufbewahrt, bis der Körper es braucht – zum Beispiel für die Bildung von roten Blutkörperchen, Enzymen und Hormonen.


Ferritin verhindert außerdem, dass freies Eisen im Körper Schäden verursacht, denn freies Eisen ist oxidativ sehr aktiv und kann Gewebe schädigen.


Ferritin ist ein hohlkugelförmiges Protein – wie eine kleine Nanokugel. Seine Funktion hängt davon ab, wie viel Eisen es im Inneren gespeichert hat.


  • Die Hülle besteht aus 24 Eiweißuntereinheiten.

  • Im Inneren befindet sich Platz für bis zu 4.500 Eisenatome.

  • Die Struktur ist hochstabil und weltweit evolutionär konserviert.


Wenn man Ferritin im Elektronenmikroskop sieht, wirkt es wie eine kleine, fast perfekte Kugel.


Ferritin und Transferrin regulieren unsere essentiellen Eisenspeicher
Ferritin und Transferrin regulieren unsere essentiellen Eisenspeicher (Quelle https://pdb101.rcsb.org/motm/35)

Ferritin ist überall dort, wo der Körper Eisen speichert oder verarbeitet. Besonders viel befindet sich in:


  • Leber (größter Eisenspeicher)

  • Milz

  • Knochenmark

  • Muskeln

  • Makrophagen (Immunzellen, die alte Blutkörperchen abbauen)


Ein kleiner Teil des Ferritins zirkuliert auch im Blut. Dieser Anteil wird im Labor gemessen und dient als Marker für den Eisenspeicherstatus. Standard-Referenzen der Labore sind zu niedrig, da sie lediglich verhindern sollen, dass eine Anämie entsteht – nicht, dass die Zelle optimal funktioniert.


Optimale therapeutische Zielbereiche:

  • Frauen: 100 - 130 ng/ml

  • Männer: 120 - 150 ng/ml


Dabei handelt es sich um therapeutische Zielbereiche, die inviduell angepasst werden sollen (vom Therapeuten). Zu viel Eisen ist auch nicht empfehlenswert, da es sehr anfällig ist durch Oxidationen (man "rostet" auf Zellebene).


Unterhalb dieser Bereiche zeigen funktionelle Untersuchungen klare Einschränkungen: verminderte ATP-Bildung, gestörte Eisen-Schwefel-Cluster, reduzierte Entgiftungskapazität und eine schwächere TH1-Immunantwort [2,3].


Wichtig: CRP (Entzündungsmarker) immer mitbestimmen, da Ferritin bei Entzündungen künstlich erhöht sein kann. Erhöhtes Ferritin in dem Fall kann man auch als einen Entzündungsmarker ansehen.


Transferrin – der zentrale Eisentransporter im Blut


Transferrin ist ein Protein, das im Körper als wichtigster Transporter für Eisen dient. Während Ferritin das Speicher-Eisen abbildet, zeigt Transferrin an, wie viel Transportkapazität verfügbar ist, um Eisen zu Geweben, Organen und Mitochondrien zu bringen. Es wird in der Leber hergestellt und besitzt zwei Bindungsstellen für Eisen (Fe³⁺). Nun kann es Eisen im Blut sicher transportieren, ohne dass freie, reaktive Eisenionen Schaden anrichten. Man kann sich Transferrin bildlich wie einen „zweisitzigen Transporter“ vorstellen, der Eisen abholt und dorthin bringt, wo es gebraucht wird – in Zellen, Knochenmark und Mitochondrien.


Woraus wird Transferrin gebaut?

Die Leberzellen benötigen dafür:


  • Aminosäuren als Grundbausteine des Proteins (davon mangelt es vielen!)

  • Eisen, um die Bindungsstellen korrekt zu „beladen“

  • Kupfer und Ceruloplasmin, die für die Umwandlung von Fe²⁺ zu Fe³⁺ nötig sind

  • eine gut funktionierende Proteinbiosynthese und Glykosylierung




Warum ist Transferrin wichtig für die Diagnostik?

Bei Eisenmangel steigt die Produktion von Transferrin an, weil der Körper versucht, möglichst viel Eisen im Blut einzusammeln. Gleichzeitig sinkt die Transferrinsättigung, weil kaum Eisen zur Beladung vorhanden ist.


Typische Referenzbereiche:

Transferrin (Serum) mg/dL 200–360 mg/dL:

<200: häufig bei Entzündung, Lebererkrankung

>360: meist bei Eisenmangel


Niedrige Transferrinsättigung mit hohem Transferrin = typischer Eisenmangel.Niedriges Transferrin = Leberstress oder Entzündung.


Deshalb ist Transferrin – zusammen mit Ferritin und TSAT – einer der wichtigsten Marker, um Eisenmangel sicher zu erkennen.


Transferrinsättigung (TSAT)


Jetzt wissen wir was Transferrin ist. Wie bereits gesagt ist die Transferrinsättigung (TSAT) einer der wichtigsten, aber am häufigsten übersehenen Marker der funktionellen Eisenversorgung. Sie zeigt an, wie viel Prozent des Transportproteins Transferrin tatsächlich mit Eisen beladen sind.


Transferrin ist der „Eisentransporter“ im Blut.


Die Transferrinsättigung gibt an:


Wie viel Eisen steht Zellen wirklich jetzt gerade zur Verfügung?

Das macht TSAT zu einem der präzisesten Marker für:


  • nutzbare Eisenverfügbarkeit

  • die Fähigkeit des Körpers, Eisen an Gewebe, Mitochondrien und Immunsystem abzugeben

  • das Verhältnis von Transportkapazität zu realer Beladung


TSAT-Bewertung:


Konventionelle Referenzbereiche (Laborstandards):


  • Normal: 16–45 %

  • Niedrig: < 16 %

  • Hoch: > 45 %


Funktionelle Medizin (optimale Bereiche):


Die funktionell optimalen Bereiche sind enger – basierend auf Mitochondrienleistung, Immunfunktion und klinischen Outcome-Daten:


Optimaler Zielbereich: 25–35 %


Warum?


  • unter 20 %: häufig Müdigkeit, Luftnot, Schwäche, niedrige Mitochondrienleistung

  • über 40–45 %: Risiko für oxidative Last steigt


Geschlechtsspezifisch:


  • Frauen: ideal 25–35 %

  • Männer: ideal 30–40 %


Ursachen von niedriger Sättigung:


Eine niedrige TSAT zeigt, dass zwar Transportkapazität vorhanden ist, aber kaum Eisen gebunden wird.


Typische Ursachen:


  • echter Eisenmangel

  • funktioneller Eisenmangel (z. B. bei Entzündung / erhöhtem Hepcidin)

  • chronischer Stress

  • Infektionen

  • chronische Erkrankungen

  • Mitochondrienstress (Eisen wird „zurückgehalten“)


Konsequenz: Zellen, Mitochondrien und Immunsystem haben zu wenig frei verfügbares Eisen, selbst wenn Ferritin nicht extrem niedrig ist.


Ein erniedrigter TSAT bei „normalem“ Ferritin zeigt, dass Eisen nicht in der Zelle ankommt, oft durch Entzündungsblockaden.



2. Warum Eisen so wichtig ist – Grundlagen und wichtige Systeme, die von Eisen kritisch abhängig sind


Hämoglobin


Hämoglobin (Hb) ist ein Protein in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und trägt die Hauptaufgabe, Sauerstoff von der Lunge zu den Geweben zu transportieren und Kohlendioxid zurück zur Lunge zu bringen.


Es ist das wichtigste eisenhaltige Molekül im Körper: etwa 60–70 % des gesamten Körpereisens steckt im Hämoglobin.


Strukturell ist Hämoglobin ein tetrameres Protein, also ein Molekül aus vier Untereinheiten. Jede dieser vier Untereinheiten enthält eine Häm-Gruppe, die wiederum ein zentrales Eisenion (Fe²⁺) trägt. Das Eisen ist der Grund, warum Blut rot aussieht und warum Hämoglobin Sauerstoff binden kann.


Visualisiert sieht Hämoglobin aus wie eine kompakte, leicht gedrehte Kugel aus vier Proteinkomponenten – oft mit vier farbigen „Taschen“ dargestellt, in denen die Hämgruppen sitzen.


Hämoglobin Protein
Hämoglobin Protein (Quelle: https://microbenotes.com/hemoglobin/)

Hämoglobin findet man fast ausschließlich in roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Dort macht es über 95 % der funktionellen Proteine aus. Kleine Mengen werden im Knochenmark während der Blutbildung (Erythropoese) produziert.


Die Konzentration im Blut wird in g/dL gemessen:


Frauen: ca. 12–16 g/dL

Männer: ca. 13,5–17,5 g/dL


Niedriges Hämoglobin = typisches Zeichen von Eisenmangelanämie



Erythrozyten


Ein einzelner Erythrozyt (rotes Blutkörperchen) enthält im Durchschnitt ca. 250–300 Millionen Hämoglobin-Moleküle. Die meistgenannte und gut etablierte Zahl in der Literatur ist:


≈ 270 Millionen Hämoglobinmoleküle pro Erythrozyt


Diese Zahl ergibt sich aus Messungen zur Hämoglobinkonzentration und dem Volumen eines Erythrozyten.


Erythrozyten & Hämoglobin

Eisen ist wie bereits oben beschrieben der Grundbaustein des Hämoglobins. Bereits moderat erniedrigte Speicher führen zu:


  • eingeschränktem Sauerstofftransport

  • erhöhter Herzfrequenz

  • Abnahme der körperlichen und mentalen Leistungsfähigkeit

  • Kopfschmerzen, kalte Hände/Füße

  • Haarausfall


Viele dieser Symptome treten auf, noch bevor eine Anämie im Blutbild sichtbar wird [2].


Mitochondrien & Energie


Eisen ist unersetzlich für:


  • Komplex I, II, III, IV der Atmungskette

  • Eisen-Schwefel-Cluster (Fe-S)

  • Aconitase im Zitratzyklus

  • Cytochrome für Energie & Detox

  • Sauerstoffhandling in jeder Zelle


Wenn Eisen fehlt:


  • ATP sinkt

  • oxidativer Stress steigt

  • Regeneration verlangsamt sich

  • Entgiftungskapazität wird schwächer

  • Stressresilienz bricht ein


Viele Menschen mit „Burnout-ähnlichen“ Symptomen haben eigentlich einen mitochondrialen Eisenmangel [3].


Immunsystem


Eisen beeinflusst das Immunsystem in beide Richtungen:


  • TH1-Immunantwort benötigt Eisen für Interferon-γ

  • Lymphozyten benötigen Eisen für Zellteilung

  • Makrophagen speichern Eisen bei Entzündung (Nutritional Immunity)

  • Ferritin steigt bei Inflammation, Eisenverfügbarkeit sinkt


Ergebnis: Man fühlt sich erschöpft, obwohl Eisen „normal“ aussieht. Dies ist ein funktioneller Mangel durch Hepcidin-induzierte Blockade [4].



3. Weitere wichtige Funktionen von Eisen


  • Dopamin- und Serotonin-Synthese

  • Schilddrüsenstoffwechsel (T4 → T3)

  • Kollagenbildung & Bindegewebe

  • Hauterneuerung & Haarwachstum

  • VO₂max & Muskeleffizienz

  • Temperaturregulation

  • Darmbarrierefunktion (Tight Junctions)



4. Warum Eisen so schwer aufzufüllen ist


Ein entscheidender, oft übersehener Punkt:Der Körper kann nur sehr kleine Mengen Eisen pro Tag aktiv aufnehmen, selbst wenn man große Mengen supplementiert.


Physiologische Grenze der Eisenaufnahme


Die Forschung zeigt [6]:


  • Nur ca. 2–4 mg Eisen pro Tag werden aus der Nahrung aufgenommen.

  • Bei Eisenmangel kann der Körper die Absorption erhöhen – aber auch dann nur auf ca. 10–20 mg pro Tag.

  • Aus hochdosierten Präparaten werden selbst bei 50–100 mg elementarem Eisen maximal 10–20 % resorbiert – oft sogar weniger.

  • Egal wie hoch die Dosis ist, der Darm lässt nie mehr als ~20–30 mg/Tag durch (bei ausgeprägtem Mangel eventuell etwas mehr).


Warum ist das so?


Der Körper muss sich vor Eisenüberladung und oxidative Damage schützen. Darum steuert er die Eisenaufnahme über das Hormon Hepcidin sehr streng.


Wenn man große Mengen Eisen auf einmal einnimmt:


  • steigt Hepcidin

  • die Aufnahme blockiert für 24 Stunden

  • überschüssiges Eisen bleibt im Darm, verursacht möglicherweise Beschwerden und wird nicht genutzt


Praktische Konsequenz


Eine “Megadose Eisen” bringt nicht mehr – sie bringt weniger.

Große Mengen:


  • erhöhen Nebenwirkungen

  • blockieren die Aufnahme

  • stören Darmflora und Schleimhaut


Sinnvoll ist dosierte, wiederholte, gut abgestimmte Zufuhr, angepasst an Transferrinsättigung, Ferritin, Entzündung und Mitochondrienstatus.


Aber es gibt noch weitere Probleme ...


Konkurrenz durch das Mikrobiom (Siderophore)


Viele Bakterien „stehlen“ Eisen über Siderophore:E. coli, Klebsiella, Staphylococcus, Pseudomonas. Ein dysbiotischer Darm macht eine Eisenauffüllung oft unmöglich, weil Bakterien das zugeführte Eisen abfangen.


Entzündungsblockade durch Hepcidin


Wie eben bereits geschriebem - Hepcidin blockiert:


  • Eisenaufnahme im Darm

  • Freisetzung aus Makrophagen

  • Transport über Ferroportin


Hepcidin steigt bei:Stress (Stress ist überall mit involviert!), TNF-α, IL-6, Dysbiose, Östrogenverschiebungen, Infektionen.


Solange Hepcidin hoch ist: Ferritin bleibt niedrig und TSAT bleibt niedrig – egal wie viel Eisen zugeführt wird.


Konkurrenz durch andere Supplements


Viele Substanzen blockieren Eisenresorption, darunter:Magnesium, Zink, Calcium, OPC, Curcumin, Resveratrol, Tee/Kaffee, Ballaststoffe. Darum gehört Eisen allein, mit Vitamin C, und mit Abstand zu allem anderen.



5. Genetik: HFE-SNPs & Hämochromatose-Risiko


Mutationen im HFE-Gen können dazu führen, dass Eisen übermäßig stark aufgenommen wird. Hier sollte man aufpassen! Wichtige Varianten:


  • C282Y

  • H63D

  • S65C


Diese erhöhen das Risiko einer Hämochromatose – einer Eisenüberladung. Menschen mit diesen Varianten sollten besonders vorsichtig supplementieren und Werte häufiger kontrollieren. Es handelt sich nicht automatisch um eine Erkrankung, aber um eine veränderte Eisenregulation. Wenn jemand erhöhte Ferritinwerte hat lohnt sich daher ein Blick auf die Genetik. Das HFE Gen ist in den meisten Lifestyle DNA Tests üblicherweise enthalten.



6. Wann sind Eiseninfusionen sinnvoll – und wann reicht Supplementierung aus?


Eiseninfusionen sind eine Option, wenn der Körper nicht mehr in der Lage ist, Eisen ausreichend über den Darm aufzunehmen – oder wenn ein akuter, ausgeprägter Mangel schnell korrigiert werden muss. Sie umgehen vollständig den Verdauungstrakt und bringen Eisen direkt in den Blutkreislauf.


Eiseninfusionen sind sinnvoll, wenn:


  • Ferritin sehr niedrig ist (z. B. < 15 µg/l)

  • die Transferrinsättigung < 15 % liegt

  • orale Eisenpräparate nicht vertragen werden

  • eine Resorptionsstörung vorliegt (z. B. chronische Entzündung, CED, nach Magen-OP)

  • ein schneller Effekt notwendig ist (Leistungsabfall, starker Haarausfall, ausgeprägte Müdigkeit)


Worauf sollte man achten?


  • Infusionen immer unter ärztlicher Kontrolle, wegen möglicher Unverträglichkeitsreaktionen

  • Ferritin und Transferrinsättigung vor jeder Infusion bestimmen

  • nach Infusionen regelmäßig kontrollieren: Ferritin, TSAT und CRP (Entzündungsparameter)

  • bei sehr hohen Dosen auf Übersättigung achten (Ferritin > 400–500 µg/l vermeiden)


Kann man Eiseninfusionen durch systematische Supplementierung umgehen?


Ja – in vielen Fällen lässt sich eine Infusion vermeiden, wenn:


  1. die richtige Form gewählt wird– z. B. Eisen-Bisglycinat, Polysaccharid-Eisen oder Ferric Maltol bei empfindlichem Darm

  2. die richtige Kombination berücksichtigt wird– Vitamin C, Kupfer, B12, Folat, Aminosäuren und ausreichende Proteinzufuhr

  3. Blocker vermieden werden– Kaffee, Tee, Calcium, bestimmte Medikamente in direkter Kombination

  4. Darmbarriere, Entzündung und Mikrobiom berücksichtigt werden– da sie Eisenaufnahme massiv beeinflussen


Mit einer gezielten, gut begleiteten Strategie lassen sich Ferritinwerte oft innerhalb von 6–12 Wochen stabil anheben – selbst aus sehr niedrigen Ausgangswerten.



7. Eisen richtig auffüllen – optimale Strategie in 6 Schritten


Hier sind die 6 Schritte, die ich nutze als Teil meiner Eisen Longevity Strategie:


  1. Entzündungen senken (Hepcidin regulieren)

  2. Mikrobiom stabilisieren

  3. richtige Eisenform wählen (Bisglycinat, liposomal, Ferric Maltol)

  4. Einnahme solo, nüchtern, mit Vitamin C

  5. alle 6–8 Wochen kontrollieren

  6. Genetik berücksichtigen


Bei mir selbst hat es viele Jahre gedauert, bis ich meinen Eisenstoffwechsel wirklich verstanden und stabilisiert hatte. Ich war lange Zeit im Bereich, den viele Labore noch als „normal“ markieren würden – mein Ferritin lag häufig unter 70 ng/ml. Das klingt nicht dramatisch, aber funktionell war es eindeutig zu wenig.


Das Interessante daran: Solange man den optimalen Zustand nicht kennt, merkt man oft gar nicht, wie viel Energie eigentlich fehlt. Erst als ich zum ersten Mal Ferritinwerte über 100 ng/ml erreicht habe, wurde mir bewusst, wie groß der Unterschied ist – mehr Energie, bessere Regeneration, klarere kognitive Leistung. Der Körper läuft plötzlich nicht mehr „auf Reserve“.


Was ich dabei gelernt habe:Eisenauffüllen ist extrem individuell. Es hängt ab von:


  • Darmgesundheit

  • Entzündungslevel (CRP immer mitmessen!)

  • Mitochondrien­leistung

  • Schlaf, Stress, Ernährung

  • Form des Eisens

  • Zeitpunkt und Häufigkeit der Einnahme


Ich habe viele Produkte probiert und sehr unterschiedliche Reaktionen gesehen.


Entscheidend war, systematisch vorzugehen:


messen → auffüllen → messen → anpassen.


Ein Beispiel aus meiner Praxis:Wenn Ferritin bei 70 ng/ml lag und ich über zwei Monate konsequent Eisen genommen habe – z. B. eine Kapsel morgens nüchtern oder abends vor dem Schlafen – stieg der Wert vielleicht um 20 Punkte. Aber diese „Linearität“ gilt nicht immer. Manchmal steigt Ferritin stärker, manchmal weniger. Entzündungen, Stress oder eine Phase schlechter Resorption können den Effekt reduzieren.


Darum ist meine heutige Erkenntnis:

Eisenoptimierung ist kein Einmal-Projekt, sondern ein lebenslanger Prozess.

Ich empfehle, 1–2 Mal pro Jahr eine vollständige Diagnostik zu machen – Ferritin, Transferrin, Transferrinsättigung, Serumeisen, CRP. Mit diesen Daten kann man das persönliche Eisenprotokoll feinjustieren und sicherstellen, dass man langfristig im optimalen Bereich bleibt.


Das Eisenprotokoll, das ich im nächsten Abschnitt dieses Blogposts teile, ist das, das für mich und viele meiner Klienten am zuverlässigsten funktioniert – vorausgesetzt, man berücksichtigt die biochemischen Zusammenhänge und überprüft die Werte regelmäßig.



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Zusammenfassung und mögliche nächste Schritte


  • Führe einen Premium-Präventionscheck durch, um deine Eisen Versorung im Gewebe zu bestimmen. Das gibt zumindest einen ersten Eindruck.

  • Teste deine Eisenversorgung sorgfältig (siehe oben) – und optimiere sie strukturiert mit dem "Optimales Eisen" Protokoll in der EVER App. Bei Eisenmangel ist es sinnvoll mit einem/r Expert:in zusammenzuarbeiten. Eisen auffüllen ist nicht einfach (Ich hoffe, der Blogpot hier hat die verdeutlicht!)

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  • Teile diesen Blogpost mit Menschen, die davon profitieren könnten.





Referenzen


[1] Nielsen P. Eisenmangel: Medizinisches Problem oder Befindlichkeitsstörung? MMW Fortschr Med. 2018;160(22):22–25.https://link.springer.com/article/10.1007/s15006-018-0684-9

[3] Intravenöse Eisensubstitution bei chronischer Erkrankung. DMW. 2019;144(14):969–977.https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/html/10.1055/a-0810-8596

[4] Eisenmangel und Immunfunktion – Onkopedia Leitlinie.https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/eisenmangel-und-eisenmangelanaemie

[5] Cook JD et al. The quantitative assessment of body iron. Blood. 2003;101(9):3359–3363.  https://ashpublications.org/blood/article/101/9/3359/105769/The-quantitative-assessment-of-body-iron

[6] Moretti D, Stoffel N U, Zimmermann MB (2015) “Oral iron supplements increase hepcidin and decrease iron absorption from daily or twice-daily doses in iron-depleted young women.” Blood, 126(17):1981-1989. https://doi.org/10.1182/blood-2015-05-642223

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