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  • AutorenbildDr. Reiner Kraft

Wichtige Entgiftungs-Gene mit klinischer Relevanz

Aktualisiert: 2. Juli



Wir wissen alle, dass unsere Körper heutzutage einer Vielzahl von Umwelt-Toxinen ausgesetzt ist. Das können Schwermetalle sein (Quecksilber, Aluminium, Blei, Cadmium, Arsen, etc.), Mikroplastik, Herbizide, Pestizide oder andere organische Umweltgifte. Daher ist Entgiftung essentiell für ein gesundes Leben. 


Oft hört man, dass jemand gerade “entgiftet” oder eine Detox-Kur macht. Hier gibt es so viele Optionen, wie man das angehen kann. 


Aber woher weißt du, dass das wirklich funktioniert? 


Hat dein Körper überhaupt die Fähigkeit, ordentlich zu entgiften? 


Was ist deine momentane Entgiftungsleistung? 


In früheren Artikeln zum Thema Detox habe ich behauptet, dass kontinuierliche Entgiftung der neue Überlebens-Skill des 21. Jahrhunderts ist, sowie meine Erfahrungen mit der Schwermetallausleitung geteilt. 


Wir sind jedoch alle anders.


Und hier sind wir wieder bei den Genen...


Ob und wie wir entgiften können, hängt von einer Vielzahl von Genen ab, aus welchen Enzyme gebaut werden, die uns in den verschiedenen Phasen der Entgiftung unterstützen. Genauer gesagt sind das die Phasen I, II und III unserer körpereigenen Biotransformation. [2]  So nennt man das Entgiftungssystem unseres Körpers. 


Für eine erfolgreiche Therapie sollte man die wichtigsten Entgiftungs-Gene kennen und wissen, wie man mögliche Varianten (Polymorphismen, SNPs) davon interpretiert.

Es gibt eine Vielzahl von Genen, die an der Biotransformation beteiligt sind. Daher dachte ich, ein Überblick dieser Gene, welche klinische Relevanz nachweisen können, wäre hilfreich. 


Alle relevanten Gene werden kurz besprochen und ich teile dazu therapeutische Überlegungen für eine effektive Therapie.


Aus Erfahrung weiß ich, dass die Information des „Bauplans des Körpers“ so wichtig ist, um daraus dann eine optimale Strategie zu definieren. 


Einfach so zu entgiften, ohne die Genetik zu kennen, ist meistens nicht sehr zielführend. Man kann dabei mehr Schaden als Nutzen erzeugen.


Oft sehe ich Menschen, die gerade eine umfangreiche Chelat-Kur durchlaufen.


Aber was bringt es, wenn ich Schwermetalle mobilisiere, wenn ich nicht weiß, ob der Körper diese überhaupt eliminieren kann? 


Sicherlich kann ich Vermutungen anstellen und so eine Detox-Kur mit Nährstoffen unterstützen.


Aber brauche ich diese Nährstoffe überhaupt?


Ist es die richtige Dosierung entsprechend der Genetik?


Wir sollten dieses wichtige Thema systematisch angehen. Und das fängt nun mal bei denen Genen an.



Die wissenschaftliche Grundlage

Aronica et al. [1] schauten sich wichtige Gene der metabolischen Entgiftung (Detox) – oder Biotransformation – genauer an.


Genetische Variabilität und Ernährungsfaktoren können die Funktion von Entgiftungsenzymen beeinträchtigen und so die Empfindlichkeit des Körpers gegenüber giftigen Substanzen endogenen und exogenen Ursprungs beeinflussen.


Dieser Bericht bietet Therapeuten eine Liste von Polymorphismen (SNPs) in Genen, die an Entgiftungsreaktionen der Phase I und Phase II beteiligt sind und für die es Belege für einen klinischen Nutzen gibt.

Einige wurden nicht besprochen. Diese habe ich der Vollständigkeit noch hinzugefügt.



CPY1A1 - Phase I: Kohlenwasserstoffe

Dieses Entgiftungsgen der Phase I (Monooxygenase) ist wichtig für den Abbau der durch Rauch und Luftverschmutzung entstehenden Kohlenwasserstoffe (z.B. PAK). Es beeinflusst auch den Östrogenstoffwechsel.


Darüber hinaus ist das Enzym an der Synthese von Cholesterin, Steroiden und weiteren Lipiden beteiligt.


Es gibt mehrere genetische Varianten (SNPs) von CYP1A1, die die Geschwindigkeit verändern können, mit der dein Körper Substanzen verstoffwechselt. 


Zum Beispiel kann ein erhöhter CYP1A1-Stoffwechsel zur Ansammlung von Zwischenmetaboliten führen, wenn dein Körper sie nicht schnell genug über den Phase-II-Stoffwechsel loswerden kann.


Relevante Polymorphismen (SNPs):


  • rs1048943

  • rs1799814

  • rs2606345

  • rs2472297



CPY1A2 - Phase I: Das "Kaffee" Gen

CYP1A2 ist ein weiteres wichtiges Entgiftungsenzym der Phase I, das Koffein sowie mehrere andere wichtige Giftstoffe wie Aflatoxin B1 aus Schimmelpilzen abbaut.


Kaffee ist eine Hauptquelle für Koffein, daher nenne ich dieses Gen gerne auch das “Kaffee” Gen.


C-Allel-Träger produzieren eine Enzymvariante mit 62–70 % geringerer Aktivität und sind weniger durch Xenobiotika induzierbar.


Eine geringe CYP1A-Aktivität kann zu einer verringerten Toxin-Clearance, einem niedrigeren 2/16-Alpha-Hydroxyöstron-Verhältnis und einem höheren Risiko für bestimmte Krebsarten führen. Folglich kann eine geringere Produktion reaktiver Entgiftungszwischenprodukte oxidativen Stress verringern.


Relevante Polymorphismen (SNPs):


  • rs762551


Weitere wichtige Gene in Bezug auf Phase I der Biotransformation:


  • CYP1B1 - Östrogen (rs1056836)

  • CYP2C9 - Medikamente

  • CYP2C19 - Medikamente

  • CYP2E1 - Alkohol

  • CYP3A4 - Medikamente

  • NQO1 - Chinone (Medikamente)



GST - Phase II: Glutathion binden

Der Entgiftungsprozess im Körper in der Phase II der Biotransformation wird hauptsächlich von der GST-Enzym-Gruppe bestimmt - die Glutathion S-Transferasen (GST).


GSTs katalysieren Reaktionen, bei denen Produkte des „Phase I“ – Stoffwechsels mit Glutathion konjugiert werden und diese dadurch wasserlöslicher gemacht werden und somit leichter durch Schweiss oder Urin ausgeschieden werden können.


Ohne diese wichtigen Enzyme kann das Glutathion nicht an die Schwermetalle oder Toxine gebunden werden. Daher kann man viel Glutathion zu sich nehmen und sich wundern, warum die Entgiftung trotzdem nicht gut funktioniert. 


Viele Menschen tragen genetische Deletionen (da fehlen Basenpaare) in einer oder beiden Kopien der GSTT1- / GSTM1-Gene.


Relevante Polymorphsismen: (SNPs):


  • GSTM1 deletion (rs366631)

  • GSTT1 deletion 

  • GSTA1 (rs3957357)

  • GSTP1 (rs1695) 

  • GSTO1 (rs4925)



UGT1A1 - Phase II: Glucuronsäure

Die UGT-Enzymfamilie ist ein wesentlicher Bestandteil der Entgiftung der Phase II.


Die UGT-Enzyme (UDP-Glucuronosyltransferase) erleichtern eine Glucuronidierungsreaktion. Durch die Glucuronidierung werden bestimmte giftige Substanzen wasserlöslicher und können über den Urin oder Kot ausgeschieden werden.


Bei der Glucuronidierung wird ein Glucuronsäuremolekül an ein Gift oder einen Arzneimittelmetaboliten gebunden. Glucuronsäure ist ein Metabolit von Glucose und kommt im Körper in großen Mengen vor.


Genetische Varianten in den UGT-Genen können Ihre Entgiftung von BPA, Östrogenen, Testosteron und Bilirubin beeinträchtigen.


Relevante Polymorphismen (SNPs):


  • rs762551

  • rs4148323

  • rs4124874

  • rs6742078

  • rs35003977

  • rs887829

  • rs8330


Weitere UGT Gene:


  • UGT1A6

  • UGT1A9



COMT - Abbau der Katecholamine

Catechol-O-Methyltransferase (COMT) ist an der Phase II der Biotransformation verschiedener Moleküle mit Catecholstruktur beteiligt. Dazu gehören Katecholamine (wie Dopamin, Epinephrin und Norepinephrin), Östrogene, Medikamente (z. B. L-DOPA) und Xenobiotika wie Teecatechine und Benzo[a]pyren-Metaboliten (die in Tabakrauch, gegrilltem Fleisch und anderen Nahrungsmitteln vorkommen).


Das Enzym überträgt eine Methylgruppe zu Katecholaminen, die von S-Adenosylmethionin (SAM) gespendet werden.


Da COMT Optimierungen auch Eingriffe in den Neurotransmitter-Stoffwechel bedeuten, sollte man hier sehr vorsichtig vorgehen bei möglichen Interventionen.


Relevante Polymorphismen (SNPs):


  • rs4680 (Val158Met) - besser bekannt auch als das langsame oder schnelle COMT Gen.



Therapeutische Überlegungen

Es ist am Anfang hilfreich, sich einen Überblick über die meisten dieser Gene zu verschaffen.

Leider ist es nicht ganz so einfach, da viele DNA Tests nur einen Teil davon beinhalten. Wenn man an alle Infos heran will, bedeutet das einiges an manueller Arbeit mit verschiedenen DNA Tests. Der Intelligene Test [3]  ist eine gute Option.


Die Schwierigkeit ist dann, diese Komplexität richtig zu interpretieren:


  • Manche SNPs heben sich gegenseitig in der Wirkung. 

  • Man muß sich daher das Gesamtbild anschauen.


Mit Ernährung  und Nährstoffen in therapeutischer Dosierung kann man diese Gene in der Regel gut manipulieren. 


Den richtigen Mix an Nährstoffen zu ermitteln ist nicht einfach. Hier gibt es Wechselwirkungen zu beachten zwischen den verschiedenen SNPs.


Die wirksame Dosis eines Nährstoffs zu ermitteln ist auch eine Kunst und erfordert Messungen, wenn man es genau machen möchte.


Erfahrungsgemäß, wenn man diese alles berücksichtigt, sieht man sehr gute Ergebnisse in der Therapie, die man ansonsten nicht erzielen würde.


So wichtig: Kenne den Bauplan!

Danach kannst du diese Gene für dich oder jeden deiner Klienten / Patienten individuell gut einstellen mit einem gezielten Nährstoff Protokoll innerhalb einer nachhaltigen integrativen Therapie.


Das funktioniert und man erzielt erfahrungsgemäss solide Ergebnisse


Was ist eine gute Gesamtstrategie?

Wie oben bereits erwähnt: Wir sind alle anders:


  • Kenne die wichtigsten Gene und wie sie sich auf den Körper auswirken können.

  • Lerne, wie du durch funktionelle Labordiagnostik den aktuellen Stoffwechselzustand im Körper ermitteln kannst.

  • Lerne, wie du ein effektives Nährstoff-Protokoll darauf aufbaust als Teil einer integrativen Therapie.


Diesen Ansatz nenne ich “funktionelle Epigenetik”.


Mit diesem Wissen kannst du deine existierenden Therapien sinnvoll ergänzen oder verbessern.


Das Wissen ist komplex - es gibt viel zu lernen! Dazu biete ich eine einzigartige praxisorientierte Weiterbildung an.


Schau mal rein - es gibt viel zu lernen!


Dein,

Reiner





Referenzen

[1]  Aronica L, Ordovas JM, Volkov A, Lamb JJ, Stone PM, Minich D, Leary M, Class M, Metti D, Larson IA, Contractor N, Eck B, Bland JS. Genetic Biomarkers of Metabolic Detoxification for Personalized Lifestyle Medicine. Nutrients. 2022 Feb 11;14(4):768. doi: 10.3390/nu14040768. PMID: 35215417; PMCID: PMC8876337.



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