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Eisenmangel und Schlaf: Wie niedrige Ferritinwerte nächtliche Atemmuster beeinflussen können

  • Autorenbild: Dr. Reiner Kraft
    Dr. Reiner Kraft
  • vor 21 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 7 Stunden

Eisenmangel und Schlaf: Wie niedrige Ferritinwerte nächtliche Atemmuster beeinflussen können

Viele meiner Klient:innen kommen mit einem ähnlichen Bild in die Praxis: Ihr Oura Ring zeigt wiederholt unregelmäßige Atemmuster, leichte nächtliche Atemstörungen oder kurze Pausen. So sieht das typischerweise aus:


Atemstörungen während der Nacht gemessen mit dem Oura RIng
Atemstörungen während der Nacht gemessen mit dem Oura RIng

Vielen ist gar nicht bewusst, dass solche subtilen Unregelmäßigkeiten langfristig die Schlafqualität – und damit Energie, Stimmung, Belastbarkeit und Regeneration – beeinflussen können.


Was mich dabei über die Jahre immer wieder überrascht hat:


Ein Teil dieser Menschen weist gleichzeitig niedrige Ferritinwerte auf. Da ich in meiner Epigenetik-Praxis funktionelle Biomarker (inkl. Wearable-Daten) systematisch verbinde, bin ich der Frage nachgegangen:


Kann der Eisenstatus Einfluss auf nächtliche Atmungsregulation haben?

Die kurze Antwort: Es gibt Hinweise darauf – sowohl aus der Praxis als auch aus der Literatur.



Warum Eisen für Schlaf und Atmung relevanter ist, als viele denken


Eisen spielt im Körper viele Rollen, unter anderem bei:


  • Sauerstofftransport (Hämoglobin)

  • mitochondrialer Energieproduktion

  • Neurotransmitter-Balance (z. B. Dopamin)

  • Regulation von Muskeltonus und vegetativen Steuerungsprozessen


Darüber habe ich in meinem letzten Blogpost zum Thema Eisenmangel ausführlich geschrieben. In diesem Blogpost geht es nun aber gezielt um Eisenmangel und Schlaf.


Wenn Eisen niedrig ist, können zwei Dinge auftreten:


  1. Der Sauerstofftransport ist eingeschränkt → Schlaf kann flacher oder weniger erholsam werden.

  2. Neuro-muskuläre Regulation verändert sich → unregelmäßige Atemmuster, mehr Mikro-Weckreaktionen und ggf. verstärkte Atempausen.


In der Praxis sehe ich das besonders bei Menschen mit:


  • chronischer Müdigkeit

  • Ein- und Durchschlafproblemen

  • Periodic Limb Movements oder Restless-Legs-Symptomatik

  • unruhigen Atemmustern im Oura Ring

  • Ferritinwerten < 50 ng/ml (teilweise trotz normalem Hämoglobin)



Was sagt die Forschung zu Eisenmangel und Schlaf?


Die wissenschaftliche Lage ist nicht abschließend, aber es gibt mehrere Arbeiten, die Zusammenhänge nahelegen. Die Evidenz befindet sich eher in einer „Grauzone“, aber die Hinweise sind konsistent genug, um aufmerksam hinzuschauen.


1. Niedrige Eisenparameter & schwerere nächtliche Atemaussetzer

Eine Studie von 2025 fand bei Männern einen Zusammenhang zwischen niedrigem Serum-Eisen / niedriger Transferrinsättigung und stärker ausgeprägten schlafbezogenen Atemstörungen¹.


2. Ferritin & Atemregulation bei Übergewichtigen

Eine Analyse der NHANES-Daten (2024/2025) zeigte einen nichtlinearen, aber signifikanten Zusammenhang zwischen Ferritin und Schlafapnoe-Risiko – niedrigere Werte korrelierten mit Atemregulationsstörungen².


3. Auch bei Kindern: Hinweise auf Zusammenhang zwischen Eisenmangel & Atemmustern

Eine frühere Studie berichtet, dass niedrige Eisenwerte bei Kindern mit schlafbezogenen Atemsymptomen assoziiert sein können und dass eine Verbesserung des Eisenstatus teils begleitende Veränderungen zeigte³.


Wichtig: Diese Studien beweisen keine Kausalität – sie liefern Hinweise, die in der funktionellen Betrachtung jedoch relevant sein können.



Was ich in der Praxis beobachte


In meiner Arbeit nutze ich einen funktionellen Ansatz, der Biomarker, Verhalten, Ernährung und Wearable-Daten kombiniert. Dabei taucht regelmäßig folgendes Muster auf:


  1. Oura zeigt unregelmäßige nächtliche Atmung

  2. Ferritin im Bereich < 30–60 ng/ml

  3. Nach individueller Optimierung des Eisenstatus (Ernährung + Supplementierungsstrategie, immer laborbasiert):

    • stabilere Atemmuster

    • weniger Atempausen

    • weniger Mikro-Weckreaktionen

    • häufig bessere nächtliche HRV

    • subjektiv tieferer Schlaf und mehr Tagesenergie


Interessant: Verbesserungen treten häufig innerhalb von kurzer Zeit auf, wenn Eisen einer der limitierenden Faktoren war.


Hinweis: Die Optimierung des Eisenstatus sollte immer auf Basis aktueller Labordaten erfolgen und individuell abgestimmt werden. Dieser Text ersetzt keine medizinische Beratung.



Wie kann man herausfinden, ob Eisen eine Rolle spielt?


1. Laborwerte prüfen

Ferritin, Hb, MCV, Transferrinsättigung, CRP. Funktionell sinnvolle Ferritinbereiche liegen oft zwischen 100–150 ng/ml, können aber individuell variieren (siehe die Detail in meinem Eisenmangel Blogpost)


2. Wearables nutzen

Oura, Whoop, Garmin – besonders hilfreich sind:


  • Respiratory Rate Variability

  • unregelmäßige Atemmuster

  • nächtliche Atempausen

  • häufige Wachphasen


3. Ganzheitlich denken

Neben Eisenstatus auch andere Faktoren prüfen: Entzündungsstatus, Schilddrüsenhormone, Darmgesundheit, B-Vitamine, Mineralien.



Fazit


Eisenmangel wird häufig mit Müdigkeit, Haarausfall oder Blässe assoziiert.Doch in der funktionellen Beobachtung zeigt sich, dass Eisen auch eine Rolle für die nächtliche Atmungsregulation spielen könnte.


Für viele meiner Klient:innen war die Optimierung des Ferritins ein wichtiger Hebel, um:


  • die nächtliche Atmung zu stabilisieren

  • die Schlafqualität zu verbessern

  • Energie & Regeneration zu unterstützen


Wenn du in deinen Wearable-Daten immer wieder unruhige Atemmuster siehst, kann es sinnvoll sein, den Eisenstatus genauer anzuschauen.




Referenzen


¹ Yumrukuz Şenel, M., Şahin, R., Çolak, M. et al. (2025). Are serum iron parameters related to the severity of obstructive sleep apnea syndrome? Sleep Breath 29, 132. https://doi.org/10.1007/s11325-025-03301-7


² Zhang Y. et al. (2025). Association of Serum Ferritin Levels With Obstructive Sleep Apnea in Overweight/Obese US Populations. Nat Sci Sleep 17:223–238. https://doi.org/10.2147/NSS.S499446


³ Kerstein R. et al. (2009). Iron deficiency and sleep disordered breathing in children—Cause or effect? Int J Pediatr Otorhinolaryngol 73(2):275–280. https://doi.org/10.1016/j.ijporl.2008.10.023

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