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  • AutorenbildDr. Reiner Kraft

“Abzocke mit der Epigenetik” - Was ist da wirklich dran?


Vor einiger Zeit wurde das Thema Epigenetik in einer Podcast-Episode der “Quarks Science Cops” im Zusammenhang mit der Epigenetik Coaching Ausbildung von Healversity in ein schlechtes Licht gerückt. 


Dazu wurde eine Liste von Studien referenziert und basierend auf diesen im Falle von Healvesity argumentiert, dass es sich hier um ein unseriöses Angebot handelt. Ich selbst habe diese Ausbildung vor 2 Jahren absolviert und kann nur Gutes über dessen Qualität berichten. Darum geht es mir aber nicht in diesem Post. 


Ich sehe das Problem hier, dass Menschen generell, die noch nie etwas von der Epigenetik und dem damit verbundenen Potential für ihre Gesundheit wissen, stark verunsichert werden und so alles, was auch nur irgendwie entfernt damit zu tun hat, als nicht valide ansehen könnten. 

All das basiert auf einer Podcast (und Artikel), der mit einem reißerischen Titel “Abzocke mit Epigenetik? Der Fall HealVersity” versehen ist, mit dem Ziel, viele Downloads dieser Podcasts zu erzeugen. 


Aber was ist da wirklich dran? 


Ist Epigenetik nur ein Buzzword, ein Trend, ohne wirkliche Substanz? 


Das Gegenteil ist der Fall:


Es geht dabei um solide wissenschaftliche Erkenntnisse, die man in den letzten Jahrzehnten entdeckt hat, basierend auf biochemischen Reaktionen, die in unserem Körper auf Zell-Ebene ablaufen.





Epigenetische Modifikationen: Zu den wichtigsten epigenetischen Mechanismen gehören Histonmodifikation, DNA-Methylierung und ncRNA-Expression, die auf verschiedenen Ebenen der DNA-Expression auftreten.

Dass der Ansatz der Epigenetik in Verbindung mit der funktionellen Medizin eine sehr solide wissenschaftliche Basis hat, kann man anhand von tausenden von Studien nachvollziehen. Viele Therapeuten und funktionelle Ärzte weltweit arbeiten mittlerweile sehr erfolgreich mit ihren Patienten mit modernen Ansätzen der Epigenetik und können dadurch sehr gute Therapieerfolge erzielen. Dabei stehen Interventionen im Vordergrund (wie Fasten, Ernährung, Sport, Nährstoffe, Schlaf, Sauerstoff Anwendungen wie HBO, IHHT), die eine bestimmte epigenetische Regulierung bestimmter Gene stimulieren und als Bestandteil einer integrativen Therapie eingesetzt werden. 


Ich habe mir nun mal die Mühe gemacht, die Studien, die in diesem Podcast zitiert wurden, mal genauer anzuschauen und zu sehen, wie valide tatsächliche die Behauptungen sind. Die Details dazu sind weiter unten. Zu jeder Studie gebe ich eine kurze Zusammenfassung und danach meine eigene Einschätzung dazu. 


Zusammenfassung:

Zusammenfassend kann man sagen, dass vieler dieser Studien eher positiv die Möglichkeiten der epigenetischen Genregulierung darstellen und deren Potential und Auswirkungen in verschiedenen Anwendungen zeigen. 


Dass es unseriöse Angebote auf dem Markt geben kann, ist auch klar. Man sollte sich auf jeden Fall gut informieren und recherchieren, gerade wenn man auf ein Angebot aufmerksam wird, das sich zu gut anhört und zu viel verspricht. Hier gilt meistens das Sprichwort “Wenn es zu gut ist, um wahr zu sein, ist es das wahrscheinlich auch nicht.”


Jedoch sollte man gerade bei einem Titel wie “Abzocke mit Epigenetik” genauer differenzieren und dadurch nicht das breite Feld der Epigenetik an sich fragwürdig darstellen. 

Das führt zu unnötigen Unsicherheiten und sorgt unterm Strich dafür, dass viele Menschen, die jetzt vielleicht an einer chronischen Erkrankung leiden, sich diesen (neuen) Möglichkeiten nicht mehr öffnen. Somit werden potentielle Gesundheitsverbesserungen durch epigenetische Optimierungen der Genregulationen ausgeschlossen und den Menschen dadurch wichtige Möglichkeiten der Selbstheilung genommen. 


Jeder, der eine Podcast hat, hat eine gewisse Verantwortung und hier, in diesem Falle scheint es mir, wurde die Kernbotschaft nicht sorgfältig genug recherchiert und ein Titel gewählt, der durch die verwendeten Studien nicht unterstützt wird. Dadurch entsteht ein größerer Schaden als Nutzen.  


Wie siehst du das in Bezug auf die Perspektiven der Epigenetik?


Dein,

Reiner 





Referenzen: 


  1. Ling, Charlotte et al.: Epigenetics of type 2 diabetes mellitus and weight change – a tool for precision medicine? (Nature Reviews Endocrinology, 2022)


Zusammenfassung: Diese Studie konzentriert sich auf epigenetische Mechanismen bei der Entwicklung von Typ-2-Diabetes und der Regulierung des Körpergewichts beim Menschen, mit besonderem Augenmerk auf der Präzisionsmedizin.Epigenetische Veränderungen, einschließlich DNA-Methylierung, finden sich in mehreren Geweben von Patienten mit Typ-2-Diabetes und werden auch mit Umweltfaktoren in Verbindung gebracht, von denen bekannt ist, dass sie das Krankheitsrisiko erhöhen.


Meine Einschätzung: Die Studie zeigt sehr gut die Bedeutung und Wichtigkeit von epigenetischen Faktoren in Zusammenhang mit Typ-2-Diabetes. Es wäre also eine Studie, wenn man auf die Wichtigkeit von Umwelteinflüssen in Bezug auf die epigenetische Regulierung eingehen möchte. 



  1. Walton, Esther et al.: A systematic review of neuroimaging epigenetic research: calling for an increased focus on development (Molecular Psychiatry, 2023)


Zusammenfassung: Epigenetische Mechanismen wie die DNA-Methylierung (DNAm) gewinnen als potenzielle Biomarker und Mechanismen, die dem Risiko von neurologischen Entwicklungsstörungen, psychischen Störungen und anderen Erkrankungen des Gehirns zugrunde liegen, zunehmend an Bedeutung. Dennoch ist überraschend wenig darüber bekannt, in welchem ​​Ausmaß DNAm mit individuellen Unterschieden im Gehirn selbst zusammenhängt und wie sich diese Zusammenhänge im Laufe der Entwicklung entwickeln – einer Lebensphase, in der viele dieser Störungen auftreten.Insgesamt belegen die 111 Studien (die man sich hier angeschaut hatte) einen Zusammenhang zwischen peripherer DNAm-Messung und bildgebenden Verfahren des Gehirns. Die spezifischen Ergebnisse sind jedoch wenig einheitlich und es bleibt unklar, ob DNAm-Marker eine Ursache, ein Korrelat oder eine Folge von Gehirnveränderungen darstellen.


Meine Einschätzung: Die Studie macht den Punkt, dass epigenetische Mechanismen, wenn es um Gehirngesundheit geht, wichtig sind und zunehmend an Bedeutung gewinnen. Diese haben im Bereich der Neurobildgebung zunehmend an Aufmerksamkeit gewonnen, da sie ein potenzieller vermittelnder Mechanismus bzw. ein Biomarker für genetische und umweltbedingte Einflüsse auf das sich entwickelnde Gehirn sind. Das Forschungsgebiet gerade in Bezug auf Mental Health ist noch relativ “frisch” und bietet viele Möglichkeiten der zukünftigen Forschungen, wobei die Autoren 3 Bereiche vorschlagen. Zusammengefasst auch eine Studie, die das Potential der Epigenetik in einem komplexen Bereich aufzeigt.   


  1. Walton, Esther et al.: A systematic review of neuroimaging epigenetic research: calling for an increased focus on development (Molecular Psychiatry, 2023)


Zusammenfassung: In diesem Artikel von Dr. David Gorski ist die wesentliche Motivierung des Autors, mehr Verständnis für den Begriff der Epigenetik zu vermitteln. Er legt die wissenschaftlichen Grundlagen dar, weist aber auch darauf hin, dass es in dem Feld auch viele Quacksalber gibt und dass Leute gerne diesen Hype ausnutzen und dann Sachen maßlos übertreiben können und kritisiert die Vorgehensweise einiger bekannter Autoren (wie Bruce Lipton). Er erläutert, dass Epigenetik im engeren Sinne sich mit vererbbaren Veränderungen der Genexpression beschäftigt. Eine Veränderung der Genexpression, die durch äußere Einflüsse hervorgerufen werden kann, ist demzufolge nicht dasselbe.


Meine Einschätzung: Sicherlich macht der Autor gute Punkte, wenn er vor Übertreibungen warnt oder vor falschen Versprechen. Das schließt jedoch nicht aus (was er selbst zugibt), dass epigenetische Regulierungen durch Umwelteinflüsse eine nachhaltige Änderung auf deinen Körper haben können und dass hier viel Potential für eine Optimierung vorhanden ist. Für den Erfolg einer Therapie ist eine Veränderung von Genexpressionen hilfreich, welche durch epigenetische Mechanismen getriggert werden. Das Feld der Epigenetik ist breit und es macht für mich Sinn, dass diese Anwendungsbereiche Teil der Definition sind. Meiner Meinung nach sollte der Autor etwas aufgeschlossener und offener gegenüber neuen Phänomenen wie zum Beispiel der Quantenheilung stehen und Wissenschaftler oder Menschen, die sich damit ernsthaft beschäftigen, nicht belächeln oder deren Arbeit herunterspielen. Nur weil etwas momentan noch nicht wissenschaftlich belegt wurde, heißt das nicht, dass es nicht sein kann. Wir machen momentan gerade durch die KI (Künstliche Intelligenz) sehr schnelle wissenschaftliche Fortschritte und ich denke, dass wir da noch einiges lernen können, gerade wenn es um Quantentechnologie geht.  


  1. Pierce, Christopher R. et al.: Environmental, genetic and epigenetic contributions to cocaine addiction (Neuropsychopharmacology 2018)


Zusammenfassung: In jüngster Zeit richtet sich die Aufmerksamkeit auf epigenetische Veränderungen, die durch wiederholten Kokainkonsum entstehen. Einige dieser Veränderungen scheinen durch Veränderungen in der Keimbahn vererbbar zu sein. Während epigenetische Veränderungen neue Perspektiven für die Entwicklung von Therapien eröffnen, ist die selektive Manipulation epigenetischer Markierungen derzeit selbst bei Tieren eine Herausforderung, sodass das translationale Potenzial noch in weiter Ferne liegt. Kontinuierliche Fortschritte in der Genetik und Molekularbiologie bergen das Potenzial, zahlreiche Wege für die Entwicklung von Behandlungsmethoden für die anhaltende Plage der Kokainsucht aufzuzeigen.


Meine Einschätzung: Interessante Studie, die sich mit dem Thema der Kokainsucht beschäftigt. Auch hier eher eine positive Einschätzung der Autoren, dass hier viel Potential mit der Epigenetik bestehen könnte.


  1. Pierce, Christopher R. et al.: Environmental, genetic and epigenetic contributions to cocaine addiction (Neuropsychopharmacology 2018)


Zusammenfassung: Das Verständnis der epigenetischen Mechanismen des Alterns wird neue Wege für die Entwicklung von Strategien zur Verzögerung des Alterns eröffnen. Tatsächlich haben auf der Manipulation epigenetischer Mechanismen beruhende Eingriffe in die Alterung in Tiermodellen zu einer Verlangsamung der Alterung oder einer Verlängerung der Lebensdauer geführt.


Meine Einschätzung: Eine gute Übersicht über das Potential von epigenetischen Mechanismen und deren Auswirkungen auf unsere Gesundheits-Spanne.


  1. Horsthemke B.: A critical view on transgenerational epigenetic inheritance in humans (Nature Communications, 2018)


Zusammenfassung: Transgenerationale epigenetische Vererbung bezeichnet die Übertragung epigenetischer Informationen durch die Keimbahn. Sie wurde bei Pflanzen, Fadenwürmern und Fruchtfliegen beobachtet, ihr Vorkommen bei Säugetieren – und insbesondere beim Menschen – ist jedoch Gegenstand kontroverser Debatten, vor allem weil die Erforschung transgenerationaler epigenetischer Vererbung durch genetische, ökologische und kulturelle Vererbung erschwert wird. In diesem Kommentar bespreche ich das Phänomen der transgenerationalen epigenetischen Vererbung und die Schwierigkeit, in experimentellen und Beobachtungsstudien schlüssige Beweise dafür zu erbringen.


Meine Einschätzung: Eine wichtige Studie, die tiefer in das kontroverse Thema der transgenerationalen epigenetischen Vererbung bei Menschen einsteigt. Sicherlich wird es da weitere Forschungen geben. Die Möglichkeiten der epigenetischen Genregulierung, basierend auf Umwelteinflüssen, sind davon nicht betroffen und gut mittlerweile erforscht. Dies sollte man separieren. 


  1. Tobi, Elmar W. et al.: DNA methylation as a mediator of the association between prenatal adversity and risk factors for metabolic disease in adulthood (Science Advances, 2018)


Zusammenfassung: Seit Anfang der 1970er Jahre berichten epidemiologische Studien über Zusammenhänge zwischen ungünstigen pränatalen Bedingungen und einem erhöhten Krankheitsrisiko im späteren Leben. Epigenetische Markierungen wie die DNA-Methylierung (DNAm) beeinflussen das Transkriptionspotenzial genomischer Regionen und können, wenn sie einmal verändert sind, langfristige Auswirkungen haben. Unsere Ergebnisse stimmen mit der Hypothese überein, dass epigenetische Mechanismen den Einfluss vorübergehender, widriger Umweltfaktoren im frühen Leben auf die langfristige Stoffwechsel-Gesundheit vermitteln. Der spezifische Mechanismus muss noch geklärt werden.


Meine Einschätzung: Eine interessante Studie, die zeigt, dass epigenetische Mechanismen bereits vor unserer Geburt tätig sind und einen Einfluss auf unser weiteres Leben haben können. 


  1. Carleial, Samuel et al.: DNA methylation changes following narrative exposure therapy in a randomized controlled trial with female former child soldiers (Scientific Reports, 2021)


Zusammenfassung: Die Folgen eines Traumas leben in neuronalen und epigenetischen Spuren weiter und erzeugen eine Dynamik des Leidens im psychologischen und sozialen Bereich. Kann eine Psychotherapie diese Erinnerungen durch Änderungen der DNA-Methylierungssignaturen neu ordnen? Mithilfe eines randomisierten, kontrollierten Parallelgruppendesigns untersuchten wir methylomweite Veränderungen in Speichelproben von 84 ehemaligen Kindersoldaten aus dem Osten der Demokratischen Republik Kongo vor und sechs Monate nach der narrativen Expositionstherapie. Unsere Ergebnisse deuten auf einen molekularen Einfluss der psychologischen Behandlung bei Frauen mit kriegsbedingten Kindheitstraumata hin.


Meine Einschätzung: Nicht überraschend, dass sich unsere Gedanken und Traumas sich auf molekularer Ebene bemerkbar machen. Es ist sehr wichtig, dass man sich dieses einmal genauer anschaut und versucht, die genauen Mechanismen zu verstehen. 


  1. Gevaert, A. B. et al.: Epigenetics in the primary and secondary prevention of cardiovascular disease: influence of exercise and nutrition (European Journal of Preventive Cardiology, 2022)


Zusammenfassung: Immer mehr Belege deuten darauf hin, dass Veränderungen epigenetischer Systeme, wie DNA-Methylierung, Histonmodifikation und nicht-kodierende RNA-Expression, mit dem Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (CVD) in Zusammenhang stehen. Diese epigenetischen Modifikationen können unter dem Einfluss exogener Reize die genetische Funktion verändern und auf die nächste Generation übertragen werden, was einen potentiellen Mechanismus für die Vererbung von Verhaltensintervention-Effekten darstellt. Die Vorteile von Bewegung und Ernährungsinterventionen bei der primären und sekundären Prävention von CVD sind gut belegt, aber die Mechanismen sind noch nicht vollständig verstanden. In dieser Übersicht beschreiben wir die akuten und chronischen epigenetischen Auswirkungen von körperlicher Aktivität und Ernährungsumstellungen. Wir schlagen Bewegung und Ernährung als potenzielle Auslöser epigenetischer Signale vor, die die Umgestaltung transkriptioneller Programme mit Auswirkungen auf CVD-Phänotypen fördern. Abschließend beleuchten wir die jüngsten Entwicklungen in der epigenetischen Therapie mit Auswirkungen auf die primäre und sekundäre CVD-Prävention.


Meine Einschätzung: Hier steigt man tiefer in das Thema der epigenetischen Regulierung ein und zeigt, wie verschiedene Interventionen wie Sport, Bewegung und Ernährung epigenetische Veränderungen erzeugen können. Meine Frage an dieser Stelle ist, wie kann man einen Titel “Abzocke mit Epigenetik” formulieren, nachdem man eine solche Studie gelesen hat? 


  1. Breton, Carrie V. et al.: Exploring the evidence for epigenetic regulation of environmental influences on child health across generations (Communications Biology, 2021)


Zusammenfassung: Umweltbelastungen, psychosoziale Stressfaktoren und Ernährung sind allesamt potenziell wichtige Einflüsse, die sich direkt oder über Interaktionen mit dem Genom oder Epigenom über Generationen hinweg auf die Gesundheit auswirken können. Obwohl in den letzten Jahrzehnten in groß angelegten genetischen Studien am Menschen eindeutige Erfolge erzielt wurden, ist bei komplexen Erkrankungen im Kindesalter noch immer ein erheblicher Anteil der Erblichkeit zu klären. Immer mehr Beweise, vor allem bei Tieren, deuten darauf hin, dass Umweltbelastungen über eine oder mehrere Generationen hinweg veränderte Gesundheitsergebnisse hervorrufen oder aufrechterhalten können. Ein mutmaßlicher Mechanismus für die Auswirkungen der Umwelt auf die Gesundheit ist eine veränderte epigenetische Regulierung. Dieser Bericht beleuchtet die aktuelle epidemiologische Literatur und unterstützende Tierstudien, die die intergenerationellen und transgenerationalen Auswirkungen von Umweltbelastungen auf die Gesundheit beschreiben.


Meine Einschätzung: Sehr spannend, sich das Thema transgenerationale Epigenetik mal genauer anzuschauen, um die dahinterliegenden Mechanismen besser zu verstehen. Es gibt mittlerweile einige Studien dazu und ich bin auf weitere interessante Ergebnisse gespannt, in Bezug auf die gesundheitlichen Auswirkungen von Belastungen, auch solche, die zeitgleich auftreten und über Generationen hinweg bestehen oder weitreichende Folgen haben.


  1. Waziry R et al.: Effect of long-term caloric restriction on DNA methylation measures of biological aging in healthy adults from the CALERIE trial (Nature Aging, 2023)


Zusammenfassung: Kalorienrestriktion (CR), definiert als Verringerung der Kalorienaufnahme ohne Verzicht auf essentielle Nährstoffe, führt zu Veränderungen in molekularen Prozessen, die mit dem Altern in Verbindung gebracht werden, einschließlich der DNA-Methylierung (DNAm). Wir haben festgestellt, dass die CALERIE-Intervention den Alterungsprozess verlangsamte, gemessen mit dem DunedinPACE DNAm-Algorithmus, jedoch nicht zu signifikanten Änderungen bei den mit verschiedenen DNAm-Uhren, darunter PhenoAge und GrimAge, gemessenen Schätzungen des biologischen Alters führte. Aber selbst eine leichte Verlangsamung der Alterung kann tiefgreifende Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung haben. 


Meine Einschätzung: Dass Kalorienrestriktion einen Einfluss auf unsere Gesundheitspanne hat, ist nichts neues, gerade wenn man sich die Literatur und Studien von dem bekannten Longevity Forscher David Sinclair anschaut. Es gibt aber noch zu wenig langfristige Studien dazu und interessanter wäre sich eine Kombination von einem modernen Longevity Protokoll mal anzuschauen, wie zum Beispiel die Kombination von Sport, optimiertem Schlaf, personalisierten Nährstoffen und anderen Interventionen, wie hyperbaren Sauerstoff, IHHT Höhentraining usw). Ich denke, darin liegt ein großes Potential, was viele Forscher in diesem Bereich auch als machbar ansehen.  


  1. Huang, Jonathan Y.: Epigenetics Changes Nothing: What a New Scientific Field Does and Does Not Mean for Ethics and Social Justice (Public Health Ethics, 2018) 


Zusammenfassung: In jüngster Zeit haben Ethiker die These aufgestellt, dass die Berücksichtigung epigenetischer Mechanismen neue Herausforderungen für Konzepte von Gerechtigkeit und Chancengleichheit mit sich bringt, etwa indem sie die Bedeutung von Umwelten in der Bioethik hervorheben und einen Kontrapunkt zum groben genetischen Determinismus bieten. Wir argumentieren, dass neue Erkenntnisse in den epigenetischen Wissenschaften, einschließlich jener über intergenerationelle Gesundheitseffekte, keine Neukonzeptualisierung von Gerechtigkeits- oder Umwelttheorien erforderlich machen. Im Gegenteil, solche Behauptungen spiegeln ein fehlerhaftes Verständnis der Epigenetik und ihrer Beziehung zur Genetik wider, das unbeabsichtigte Appelle an die soziale Gerechtigkeit untergraben könnte.


Meine Einschätzung: Ethische Aspekte der Epigenetik und Genetik, sowie deren Anwendung, sind auch wichtig. Von der praktischen Seite der Therapie jetzt vielleicht weniger relevant in diesem Kontext. Die Studie gibt zusätzlich zum besseren Verständnis eine Einführung in die wichtigsten Mechanismen der Epigenetik und Beispiele, die hilfreich sind für jeden, der gerade beginnt, sich für diese Thematik zu interessieren. 


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